ICH HABE MICH GETRENNT

Aktualisiert: 12. Sept 2019

Und zwar von meiner besten Freundin. Denn sie hat vor allem eins, mich meiner positiven Energie beraubt. Über 5 Jahre waren wir befreundet, haben uns in einer WG kennengelernt. Haben zusammen gekocht, gefeiert, über das Leben philosophiert und ein paar Tränchen vergossen. Weder die Entscheidung noch die Durchführung der Trennung war leicht, schwerer sogar als mich von Expartnern zu trennen, aber im Nachhinein habe ich es nicht ein mal bereut. Es hat schon alles einen Grund.


Warum hab ich mich getrennt?

Laura. Ich hatte das Gefühl, es gab zwei von ihnen. Die Lustige, die Spontane, die Mutige. Puh und dann gab es die Laura, die mit mehreren Faktoren in ihrem Leben zu kämpfen hatte. Sie war Einzelkind, Single in einer krankhaften (meiner Meinung nach) Affäre mit einem sehr viel älteren, verheirateten, reichen Mann. Unglücklich in ihrem Bürojob. 3 ziemliche grosse Faktoren, aber mit mir als beste Freundin, blieb mir nur zu sagen "hey, wir kitten das schon". Gut, das mit dem Einzelkind wird so bleiben, aber klar war sie musste sich, aus der verrückten Beziehung zurückziehen um so einen Mann der ihr würdige war kennen zu Lernen um eine eigene Familie zu gründen. Dann würde sie als Einzelkind nicht alleine dastehen, wenn ihre Eltern nicht mehr leben würden. Und natürlich machten Laura und ich uns Gedanken um unsere Zukunft, wo wollten wir hin, wie sollte unser Leben aussehen. Und dann noch der Bürojob. Vielleicht in eine andere Abteilung wechseln? Oder sich nach neuen Stellen umsehen?

Wem dem auch sei, tausend und aber tausende Male durchgekaut. Keine Idee von Tinder bis Initiativbewerbung fruchtete. Monate um Monate vergingen und es war immer das gleiche Thema. Ich ging mit einer positiven Grundstimmung Laura besuchen und zog die Haustür vollgesogen mit negativer Energie zu. Klasse. Super anstrengend. Und wem sollte ich darüber reden, wo konnte ich Laura helfen? Ganz klar: mein bester Freund! Sein Tipp: "Die Alte spinnt doch!" Gut erkannt und jetzt ? Mama. Sie kannte das Problem aus ihrem eigenen Leben und gab mir einen Ratschlag: Distanz. Ich entschied Distanz auf Zeit würde nicht reichen, eine Trennung musste her.


Wie hab ich mich getrennt?

An einem Tag stand irgendwie fest, ich muss zu ihr und mit ihr sprechen. Also rief ich sie an, ob ich vorbei kommen könnte. Klar durfte ich. Wir waren ja beste Freundinnen. Ob sie eine Ahnung hatte oder nicht, weiss ich nicht, aber als ich dann bei ihr war und vor mich hinstammelte wusste sie, irgendwas passt nicht. Irgendwas passt mit uns nicht. Wir sassen also auf ihrem Minibalkon und ich sagt einfach nur: "Laura, ich glaub, wir können uns nicht mehr treffen, du änderst nichts an deinem Leben, beschwerst dich dauernd darüber, nimmst keine Tipps an und das kostet mich unheimlich viel Energie, dich jedes mal wieder "positiv zu kriegen". Ich möchte das nicht." So oder so ähnlich war mein Wortlaut. Und dann ging es los, ja aber so ist das doch nicht. Und ich jammere doch gar nicht. Und ich bin sehr glücklich. Ich schaute sie an und ich wusste, sie log mich an, natürlich wusste ich wann sie log, ich war ihre beste Freundin. Und sie wusste, dass ich es wusste. Absolut unangenehm. Und plötzlich gab es nichts mehr zu sagen. Und ich ging.


Hatte ich ein schlechtes Gewissen?

Klar. Wie sollte sie jetzt ohne mich klar kommen? Wieso hatte ich nicht bessere Tipps? Wieso war ich nicht eine bessere Freundin? Aber wirklich lang war das schlechte Gewissen nicht da, ich stürzte mich in neue Projekte, Dinge die mich glücklich machten und konnte meine positive Energie halten und leben. Ausserdem hatte Laura ja noch andere Freunde.


Wie geht es mir jetzt diesbezüglich?

Zum Geburtstag schreibe ich ihr noch eine kurze Nachricht, sie mir zu meinem nicht. Es ist ok. Ihr Geburtstag wird noch eine lange Zeit bei mir eingebrannt sein. 5 Jahre vergehen nicht spurlos. Aber mir geht es gut und ich hoffe Laura auch.


Habe ich eine neue beste Freundin?

Nein, aber ich habe eine handvoll sehr gute Freunde, die ein ähnliches Mindset haben wie ich. Freunde vor denen ich mich nicht schützen muss. Und dafür bin ich sehr dankbar!


Jeder muss sich denk ich selbst entscheiden, vielleicht hast du jetzt einen Aha-Moment und kannst dich etwas leichter von deinem "Energiefresser" lösen. Vielleicht braucht es aber noch Zeit. Gib dir Zeit, weil dieser Schritt kostet Kraft. Trotzdem Laura und ich hatten eine wunderbare Zeit, Danke Laura!


Meine Learnings aus dieser Situation:

1. Ich war schon stolz auf mich, als ich erkannt hab, dass sie "das Problem" ist und nicht ich. Die Erkenntnis, dass ich mich von ihr lösen muss um in meiner positiven Energie zu bleiben, war schon mal ein guter Anfang. Bewusstsein.

2. Ich darf mich von negativen und schlechten Dingen lösen. Ich darf auch diesbezüglich meine Gefühle über ihre stellen. Man muss die Gefühle akzeptieren und auch wenn es vorbei ist.

3. Kleine Schritte. Negatives Gefühl bemerkt, wenn ich aus ihrer Haustüre rausgehe. Erkannt das viel meiner positiven Energie und guten Laune zieht. Darüber nachgedacht, was wäre, wenn wir nicht mehr befreundet wären. Mich mit anderen darüber ausgetauscht. Mut gesammelt. Mich mit Laura ausgetauscht. Mich getrennt

4. Ins Handeln bin ich sofort gekommen, es kam der Tag da wusste ich, ich muss es jetzt tun. Ich bin früh aufgewacht und war einfach mutig und bereit es zu tun. Hätte ich gewartet um das Gespräch mit Laura zu suchen, wäre Monat um Monat vergangen.


Für mich war es genau so richtig. Denn ich hab nur dieses eine Leben. Kater Nolle hat 7.

Fotosspot: Porto/Portugal

Foto: Velia Sellner